• Der Macher des Landesspiegels - Gregor Meier
    Feb 17 2026

    Gregor Meier – Der Antreiber hinter dem Landesspiegel

    Gregor Meier gehört zu jenen Persönlichkeiten, die sich in der kleinen Medienlandschaft Liechtensteins schnell einen Namen gemacht haben. Der politisch interessierte Jurist betreibt seit knapp drei Jahren mit landesspiegel.li eine eigenständige Online-Zeitung, die sich als journalistische Alternative und Ergänzung zu den etablierten Medien versteht.

    Sein Einstieg in die Branche war ungewöhnlich: Ohne klassische journalistische Ausbildung nutzte Meier das Ende der traditionsreichen ältesten Tageszeitung des kleinen Fürstentums, dem renommierten „Volksblatt“, als Gelegenheit, eine publizistische Lücke zu schließen. Der Landesspiegel ging genau an jenem Tag online, an dem die letzte Ausgabe erschien – ein symbolischer Moment, der den Anspruch unterstrich, weiterhin kritische Berichterstattung zu bieten.

    Meiers Zugang zum Journalismus ist stark von seinem politischen Interesse geprägt. Inhaltlich dominieren daher innenpolitische Themen, ergänzt durch internationale Beobachtungen, etwa von Konferenzen oder diplomatischen Veranstaltungen. Sein Selbstverständnis zielt auf Hintergrundarbeit, Gespräche mit Entscheidungsträgern und eigene Recherche statt reiner Wiedergabe von Presseaussendungen und Medienmitteilungen.

    Diese Herangehensweise verschafft ihm Sichtbarkeit, aber auch Kritik – insbesondere von klassischen Medien, die seine fehlende formale Journalistenausbildung gelegentlich infrage stellen. Meier selbst betont dagegen die Bedeutung von Fachwissen, etwa juristischer und wirtschaftlicher Zusammenhänge, für fundierte Berichterstattung.

    Ein zentraler Konflikt in seiner bisherigen Laufbahn betrifft die staatliche Medienförderung. Der Landesspiegel erhielt zunächst Unterstützung, fiel nach einer Gesetzesänderung jedoch aus dem Förderregime. Meier kritisiert die Kriterien als unausgewogen und sieht darin ein strukturelles Problem für Medienvielfalt.

    Für ihn steht weniger der persönliche Nachteil im Vordergrund als die grundsätzliche Frage nach fairen Rahmenbedingungen. Seine Position: Entweder gleiche Unterstützung für vergleichbare Angebote oder ein System, das ganz ohne Subventionen auskommt.

    Wer die politische und gesellschaftliche Szene Liechtensteins beobachtet, begegnet Meier häufig. Er gilt als ausgesprochen präsent, besucht Veranstaltungen quer durch Politik, Kultur und Wirtschaft und versucht, überall Informationen aus erster Hand zu sammeln.

    Diese Omnipräsenz spiegelt auch seine Arbeitsweise wider: Der Landesspiegel ist weitgehend ein Ein-Mann-Projekt, das durch effiziente Organisation, digitale Tools wie Künstlicher Intelligenz und persönliche Netzwerke funktioniert. Parallel engagiert sich Meier auch beim einzigen Fernsehsender Liechtensteins, 1FLTV und steht teilweise vor sowie hinter der Kamera.

    Sein Interesse an medienpolitischen Fragen zeigt sich auch institutionell. Vor Kurzem wurde Meier in den Vorstand des Internationaler Liechtensteiner Presseclub (kurz LPC) gewählt, nachdem er bereits zuvor aktives Mitglied war. Dort möchte er nach eigenen Angaben die Zusammenarbeit innerhalb der Branche stärken und den Austausch zwischen Journalisten fördern.

    Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten verfolgt Meier das Ziel, den Landesspiegel langfristig zu etablieren. Eine Teilanstellung bei 1FLTV sorgt für finanzielle Stabilität, während er gleichzeitig am Ausbau seines Online-Mediums arbeitet.

    Sein Profil vereint Idealismus – den Anspruch auf unabhängige Berichterstattung – mit pragmatischen Lösungen, um ein kleines Medienprojekt am Leben zu halten. Damit verkörpert er einen neuen Typus von Medienmacher im Kleinstaat: flexibel, vernetzt und stark persönlich geprägt.

    Show More Show Less
    14 mins
  • Die vegane Yogalehrerin - Heike Leuchter
    Feb 11 2026

    Wer die Praxis im Schwarzwidaweg 4 in 6800 Feldkirch-Nofels betritt, spürt sofort eine besondere Atmosphäre. Helle Räume, der Blick hinaus ins Ried, Stille, Weite – und eine Gastgeberin, die mit ruhiger Präsenz empfängt. Heike Leuchter verbindet in ihrer Arbeit psychosoziale Beratung, Supervision, Yoga, Humanenergetik und pädagogische Erfahrung zu einem ganzheitlichen Angebot, das Körper, Geist und Seele gleichermaßen anspricht.

    Heike Leuchters beruflicher Weg begann im Schulwesen. Als ausgebildete Mittelschullehrerin unterrichtete sie viele Jahre mit Begeisterung unter anderem Englisch, Biologie und Sport. Bildung bedeutete für sie stets Freiheit – die Möglichkeit, selbstbestimmt zu denken und zu handeln. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen war für sie ein wertvolles Lernfeld, geprägt von Begegnungen, Entwicklung und gegenseitiger Inspiration.

    2018 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Entscheidung war kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung. Die pädagogische Grundhaltung – Menschen achtsam zu begleiten, Potenziale zu erkennen und zu fördern – bildet bis heute das Fundament ihrer Arbeit.

    Yoga begleitet Heike seit ihrer Jugend. Mit 18 Jahren, in einer Phase starker innerer Anspannung vor der Matura, suchte sie nach Ruhe und Orientierung. In einem Yogakurs fand sie, was sie suchte: Zentrierung, Rückverbindung zu sich selbst und eine Methode, Spannungen loszulassen.

    Was damals begann, wurde zu einem lebenslangen Weg. 2010 schloss sie ihre Yogalehrerausbildung ab. Für sie ist Yoga weit mehr als körperliche Übung. Die Asanas und Pranayamas – die Körper- und Atemübungen – dienen als Zugang zur inneren Balance. Sie beruhigen Geist und Nerven, vertiefen den Atem, fördern Kreislauf und Stoffwechsel und stärken die Selbstwahrnehmung.

    Im Zentrum steht die Idee der Rückverbindung: Yoga bedeutet, wieder bei sich selbst anzukommen. Prägungen, Konditionierungen und Spannungsmuster dürfen sich lösen, damit der eigene Wesenskern – das „goldene Ei“ der Yogaphilosophie – wieder sichtbar wird.

    Auszeiten führten Heike nach Indien, Nepal und Thailand – Länder, in denen Yoga und spirituelle Traditionen tief verwurzelt sind. In Indien besuchte sie unterschiedlichste Yogastile: von sehr spirituellen, meditativen Formen bis zu dynamischem Ashtanga-Yoga. Diese Erfahrungen stärkten ihr Bewusstsein dafür, dass Yoga überall dort authentisch ist, wo es um innere Entwicklung geht – und nicht um äußere Akrobatik.

    Die Begegnungen mit anderen Kulturen, Landschaften und Lebensweisen vertieften ihr Verständnis für Spiritualität, Achtsamkeit und Einfachheit. Naturerfahrungen – ob im Himalaya oder im heimischen Ried – sind für sie Orte der Rückverbindung.

    In ihrer Praxis kombiniert Heike psychosoziale Beratung mit humanenergetischen Methoden. Klienten kommen mit unterschiedlichsten Anliegen: Stress, innere Unruhe, Entscheidungsfragen, Lebensübergänge oder psychosomatische Beschwerden.

    Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Regulation des Nervensystems. Atemübungen und körperorientierte Methoden aktivieren den Parasympathikus – den sogenannten Ruhenerv – und unterstützen die Balance des Vagusnervs. Ziel ist es, gespeicherte Spannungen zu lösen, Stress abzubauen und Zugang zu den eigenen Ressourcen zu ermöglichen.

    Heike ist überzeugt: Jeder Mensch trägt großes Potenzial in sich. Manchmal braucht es Raum, Begleitung und geeignete Methoden, um wieder darauf zugreifen zu können.

    Die Natur ist für sie Kraftquelle und Lehrmeisterin. Im Winter findet man sie auf Langlaufskiern, im Sommer auf dem Fahrrad. Mobilität ohne eigenes Auto, bewusste Ernährung und ein achtsamer Lebensstil spiegeln ihre Werte wider.

    Seit ihrem 20. Lebensjahr lebt sie vegetarisch, heute weitgehend vegan – inspiriert vom yogischen Prinzip der Gewaltlosigkeit (Ahimsa). Für sie ist Ernährung Teil einer ethischen und gesundheitlichen Gesamthaltung.

    Im Zentrum ihres Wirkens steht eine klare Vision: Menschen zu mehr Energie, Selbstbestimmung und ganzheitlicher Gesundheit zu führen.

    Show More Show Less
    23 mins
  • Der Überlebende zweier Konzentrationslager - Ivan Lefkovits
    Jan 28 2026

    Ivan Lefkovits ist fast 90 Jahre alt. Ein Mann mit ruhiger Stimme, klarem Blick und einer Geschichte, die kaum auszuhalten ist – und gerade deshalb erzählt werden muss. Er gehört zu jener immer kleiner werdenden Gruppe von Menschen, die das Unvorstellbare überlebt haben. Nicht als Symbol, sondern als Mensch. Als Kind.

    Geboren 1937 in der damaligen Tschechoslowakei, wurde seine Kindheit jäh beendet, als er 1944 gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder deportiert wurde. Ravensbrück, ein Lager primär für Frauen, ein Ort des Schreckens, folgte. Dort verlor er seinen Bruder und erzählt auf die Frage von Bandi Koeck - und nicht vor Schülern - wie genau sein sechs Jahre älterer Bruder qualvoll aus dem Leben schied. Später folgte der Todesmarsch bis zum Konzentraionslager Bergen-Belsen. Er überlebte diesen nur, weil ihn eine andere Frau auf dem Rücken trug. Hunger, Kälte, Entmenschlichung – und ein Durst, den er bis heute als schlimmer als alles andere beschreibt. Elf Tage lang kein Wasser nach der Befreiung, denn die SS-Wachen ließen alle Wasserleitungen explodieren, als sie vor den heranrückenden Alliierten flohen. Wer das hört, begreift, wie nah Leben und Tod beieinanderlagen.

    Und doch überlebten er und seine Mutter wie durch ein Wunder – als Einzige der gesamten Familie.

    „Meine Mutter hat mich in Ravensbrück sehr geschützt.
    Sie machte Extrakommandos für eine zusätzliche Portion Suppe, die sie mir dann gab. Ich habe Lesen und Schreiben, das ganze Einmaleins unter schlimmsten Umständen gelernt. Meine Mutter hat gesagt:
    ‹Das wirst du in deinem Leben noch brauchen.›
    Das war magisch. Das hiess, du wirst überleben.“

    Ivan Lefkovits

    Was Ivan Lefkovits von vielen unterscheidet, ist nicht nur seine Geschichte, sondern seine Haltung. Hass und Rache sind für ihn kein Thema. Nicht aus Vergessen, sondern aus bewusster Entscheidung. Er spricht nicht anklagend, sondern mahnend. Nicht laut, sondern eindringlich. Seine Mutter lenkte ihn im Lager mit Mathematikaufgaben ab – vielleicht der erste Keim für jenen Weg, den er später einschlagen sollte.

    Nach dem Krieg widmete er sein Leben ganz der Wissenschaft. Er wurde ein international anerkannter Immunologe, gründete in Bern ein weltbekanntes Institut, sprach bei der UNO und forschte an den Grundlagen des Lebens. Er wollte nicht auf seine Opferrolle reduziert werden. Erst spät begann er, über den Holocaust zu sprechen – bewusst getrennt von seiner wissenschaftlichen Arbeit. Heute weiss er: Das Erzählen ist notwendig.

    Wenn er vor Jugendlichen spricht, geschieht etwas Besonderes. Geschichte wird greifbar. Zahlen bekommen Gesichter. Leid bekommt eine Stimme. Und Hoffnung eine Form. Lefkovits appelliert nicht mit erhobenem Zeigefinger. Er fordert Achtsamkeit, Gespräch, Menschlichkeit. Er weiß, wie zerbrechlich Zivilisation ist.

    Sein Leben ist ein Beweis dafür, dass Überleben mehr sein kann als Weiterexistieren. Es kann Verantwortung bedeuten.

    Factbox: Prof. Ivan Lefkovits

    • Geboren: 1937 in Presov, Tschechoslowakei (heutige Slowakei)
    • Holocaust-Überlebender von Ravensbrück, Todesmarsch und Bergen-Belsen
    • Verlust fast der gesamten Familie, Überleben gemeinsam mit der Mutter
    • Renommierter Immunologe, Promotion in Molekularbiologie (arbeitete mit drei späteren Nobelpreisträgern zusammen)
    • Herausgeber des "Immunology Methods Manual", dem Standardwerk für Immunologie
    • Gründer eines international anerkannten Forschungsinstituts in Basel (Basler Institute)
    • Referent bei internationalen Organisationen, unter anderem bei der UNO
    • Setzt sich heute fuer Holocaust-Education und Dialog mit Jugendlichen ein


    Show More Show Less
    32 mins
  • Die spendenfreudige Gastrolegende - Kristl Moosbrugger
    Jan 25 2026

    Wenn Kristl Moosbrugger über den Weißen Ring spricht, dann nicht mit Nostalgie, sondern mit wacher Freude. Mit 83 Jahren stand sie kürzlich auch beim 20-jährigen Jubiläum des legendären Rennens wieder am Start – eines Rennens über 22 Pistenkilometer, das wie kaum ein anderes für Lech am Arlberg steht. Für sie ist es selbstverständlich: Solange es geht, wird gefahren. Nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Begeisterung für Bewegung, Berge und Gemeinschaft.

    Geboren in St. Anton am Arlberg, ist sie mit den Skiern aufgewachsen. Präparierte Pisten, Skischulen oder Sicherheitsnetze gab es damals nicht. Man fuhr einfach los, wild, frei, mit Respekt vor dem Berg. Diese frühe Prägung – Eigenverantwortung, Mut und Bodenhaftung – zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben.

    Seit den 1960er-Jahren ist Kristl Moosbrugger untrennbar mit dem Hotel Gasthof Post in Lech verbunden. Die Gastronomie war für sie nie bloß ein Beruf, sondern Ausdruck von Persönlichkeit. Auf die Frage, ob sie diesen Weg noch einmal gehen würde, kommt die Antwort ohne Zögern: Ja. Weil es ihr Leben ist. Weil sie ein Mensch der Berge ist. Und weil echte Gastfreundschaft nur dort entsteht, wo jemand mit ganzem Herzen dahintersteht.

    Was sie von Anfang an ausgezeichnet hat, war Haltung. Diskretion gegenüber prominenten Gästen – ob europäische Königshäuser, Staatsmänner oder internationale Persönlichkeiten – war für sie selbstverständlich. Sie begegnete allen Menschen gleich: Mit Respekt, Freundlichkeit und ohne Unterwürfigkeit. Legendär ist die Episode aus dem Jahr 1966, als sie hochschwanger bewusst keinen Hofknicks vor dem Schah von Persien machte. Nicht aus Provokation, sondern aus Selbstachtung.

    Gerade diese Natürlichkeit machte das Haus Post zu einem Ort, an dem sich auch royale Gäste als Menschen bewegen konnten. Skifahren, Jagen, Kegeln, gemeinsame Zeit – fern von Öffentlichkeit. Dass Lech durch die regelmäßige Präsenz des niederländischen Königshauses international bekannt wurde, war kein Marketingkonzept, sondern ein glücklicher Zufall, getragen von Vertrauen und Charakter.

    Kristl Moosbrugger blickt ohne Verklärung auf die Veränderungen der Branche und benennt diese im ausführlichen Gespräch mit Bandi Koeck konkret: "Früher blieben Gäste zwei Wochen, heute wenige Tage. Früher kam man mit 50 ins Grandhotel, heute reist ein junges, internationales Publikum an. Früher war formelle Kleidung am Abend selbstverständlich, heute ist sie die Ausnahme." Sie urteilt nicht hart, aber klar: Kultur zeigt sich auch im Umgang miteinander – und im Respekt vor dem Ort, den Menschen und der Arbeit, die dahintersteht. Auch dass ihr Sohn den "Krawattenzwang" in der Gaststube beendet hat, ist für sie etwas, dem sie mit einer anderen Haltung gegenübersteht.

    Sorgen bereiten ihr weniger modische Fragen als strukturelle: Fehlende Nachfolge in Familienbetrieben, steigende Immobilienpreise, der Verlust gewachsener Dorfstrukturen. Sie fürchtet eine Zukunft, in der Hotels nur noch von Konzernen geführt werden – funktional, aber seelenlos.

    Vielleicht am eindrücklichsten ist ihr soziales Engagement. Nicht als Beiwerk, sondern als zweites Lebenswerk. Ihr größtes Projekt führte sie nach Nepal. Aus einer zufälligen Begegnung entstand die Mitarbeit am Verein „Nepalimed“, der den Bau eines Krankenhauses ermöglichte – inklusive Krankenschwesternschule, Personalhäusern und einer der ersten biologischen Kläranlagen des Landes.

    Später folgten ein Waisenhaus, das sie bis heute unterstützt, und zahlreiche weitere Initiativen. Besonders stolz ist sie auf das neue Wirtschaftsgebäude des Wildparks Feldkirch (Kosten 2,2 Mio Euro), das ohne Kredit, allein durch Spenden von Land, Stadt und regionalen Betrieben realisiert wurde. Hinzu kommen regelmäßige Unterstützungen für Organisationen wie "CliniClowns", "Tischlein deck dich", "Stunde des Herzens" oder Einzelinitiativen.

    Auch mit 83 Jahren denkt Kristl Moosbrugger weiter. Sie wünscht sich Orte der Begegnung in Lech und die Bereitschaft, füreinander Zeit zu haben.


    Show More Show Less
    35 mins
  • Der international Gesuchte - Alexander Wieser
    Jan 17 2026

    Zehn Monate Auslandseinsatz. So nennt Alexander Wieser heute eine Zeit, die ihn fast alles gekostet hätte: Freiheit, Familie, Selbstachtung – und beinahe auch die Zukunft. Was nach einem Business-Trip klingt, war in Wahrheit ein Interpol-Haftbefehl, vier Länder, eine Spezialeinheit und die harte Realität der Einzelhaft. Österreich, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein – gesucht, gefunden, eingesperrt.
    Er nennt es „Gitterbox“. Ein Wort, das klingt wie ein Parkplatz für Menschen, wie eine Endstation ohne Rückfahrkarte. Für Wieser war sie genau das – und zugleich der brutalste Wendepunkt seines Lebens.
    Geboren 1977 in Hard am Bodensee, aufgewachsen zwischen Autos, Motorengeräuschen und PS-Träumen, hatte Alex früh gelernt, wie man schraubt, repariert, schneller ist als andere. Doch irgendwann war Geschwindigkeit nicht mehr nur ein Hobby – sondern ein Lebensstil. Drei, vier Jobs reichten nicht mehr aus, um die selbstgebauten Probleme zu regulieren. Der „einfachste Weg“ wurde der falsche.
    Kleindelikte, Einbrüche, Raub, Juwelierüberfälle – „die komplette Palette“, wie er heute sagt. Und das auch noch schlecht organisiert. Einmal stand er im falschen Gebäude, im falschen Raum, während der Plan längst anders lautete. Verbrechen mit Slapstick-Charakter – bis es nicht mehr lustig war.
    Irgendwann redete jemand. In der Schweiz holte ihn die Spezialeinheit. Einzelhaft. Big Brother – live, ohne Bezahlung. „Es ist eine andere Welt“, sagt er. Eine Welt, in die er nie wieder zurück will - für kein Geld dieser Welt.
    Zehn Monate saß er – mit einem kurzen, bitteren Zwischenstopp draußen, ausgelöst durch einen Verfahrensfehler. Freiheit auf Zeit, nur um dann freiwillig zurückzugehen und die restlichen vier Monate abzusitzen. Für ihn schlimmer als die erste Inhaftierung.
    Seine Kinder sah er nicht. Aus Scham. Einmal durfte er seinen Sohn auf dem Parkplatz beobachten, während seine damalige Frau mit ihm spielte. Mehr Nähe erlaubte er sich nicht. Und als er zurückkam, war da plötzlich etwas, das vorher nie da war: Verlustangst. „Papa, du kommst heute Abend wieder heim, oder?“ – ein Satz, der tiefer schneidet als jede Gefängnistür.
    Wieser schrieb darüber ein Buch: „Zweite Chance verpasst“. Keine Heldenstory, sondern Aufarbeitung. Für ihn selbst. Zwei, drei Exemplare liegen bis heute in seiner Wohnung. Mahnmale. Koordinaten, damit er nie wieder die falsche Ausfahrt nimmt.
    99 Prozent der Reaktionen waren positiv. Aber es gab auch Abwendung, Freundschaftsbrüche, Unverständnis – sogar aus der eigenen Familie. Trotzdem: Das Buch war notwendig. Nicht als Imagepolitur, sondern als seelischer Frühjahrsputz. Ein neues Buch liegt bereits in der Schublade und muss nur noch veröffentlicht werden.
    20, 25 Bewerbungen. Ehrlich geschrieben: „Ich komme aus dem Gefängnis, brauche eine zweite Chance.“ Die Antworten? Meist keine. Der krumme Weg wäre leichter gewesen – alte Kontakte, alte Muster. Doch Wieser brach radikal mit seiner Vergangenheit.
    Heute ist er Familienmensch, Unternehmer, Autofanatiker mit Herz und Speaker mit Haltung. Der gelernte KFZ-Mechaniker führt Mastercars Lackzentrum im Aargau: Lackiererei, Spenglerei, Verkauf und Vermietung – vom Polo bis zum Lamborghini, vom Smart bis zum G63. Sein Lieblingsauto? Ausgerechnet der Smart. Wegen des Wendekreises. Und weil Statussymbole für ihn längst ihren Glanz verloren haben.
    Als Mentaltrainer steht Wieser heute auf Bühnen, vor Jugendlichen, mehreren Schulklassen oder einer ganzen Schule, vor sogenannten „schwierigen Zielgruppen“. Er zieht die Hosen runter – im übertragenen Sinn – und erzählt von Unterführungen, von Nächten im Auto, von Momenten, in denen selbst das Auto weg war. Perspektivenwechsel statt Phrasen.
    Seine Botschaft ist unbequem ehrlich:
    Fehler darf man machen – aber manche lassen sich nicht mehr reparieren. Respekt ist keine Floskel, sondern Überlebensstrategie. Und Positivität bedeutet nicht, dass alles rosarot ist – sondern dass man selbst an grauen Tagen das Beste daraus macht.

    Show More Show Less
    17 mins
  • Der gastroaffine Ausnahmekünstler - Thomas Anton Rauch
    Jan 8 2026

    Wer das Atelier von Thomas Anton Rauch in Feldkirch betritt, überschreitet keine Schwelle, sondern eine Welt. Man muss sich ducken, vorbei an Stromkastentüren, hinein in ein Labyrinth aus Besteckskulpturen, Tierpräparaten, Schweißnähten, Farbschlieren, ironischen Zitaten und bitterernstem Humor. Hier arbeitet ein Mann, der nie in eine Schublade gepasst hat – und der genau daraus seine künstlerische Kraft schöpft.

    Rauch, 61 Jahre alt und ursprünglich aus Frastanz, hat nicht an einer Kunstakademie begonnen, sondern auf hoher See. Nach seiner Lehre zum Maschinenmechaniker fuhr er zwei Jahre zur See – ein Leben zwischen Urlaubszwang und Ozean, zwischen Freiheit und Exzess. Was aus dieser Zeit blieb? „Alkohol“, sagt er trocken – und eine tiefe Kenntnis menschlicher Abgründe.

    1999 eröffnete er mit seinem Bruder die legendäre „Sonderbar“ in Feldkirch – eine Institution der Vorarlberger Szene. Zwanzig Jahre lang war sie Treffpunkt für Anwälte und Sandler, Banker und Punks, Musiker, Literaten und Nachtgestalten aller Art. Türsteher? Brauchte es nie. Zu divers war das Publikum, zu offen der Geist. Rauch war sein eigener bester Kunde – der erste an der Bar, der letzte, der ging.

    Mit fünfzig zog Rauch die Reißleine. Die Gastronomie ließ er hinter sich, nicht aber das Leben. „Wenn ich es jetzt nicht versuche, mache ich es nie mehr.“ Seit elf Jahren ist er freischaffender Künstler, Mitglied der Berufsvereinigung Bildender Künstler in Bregenz, Paletton- und Taxis-Mitglied.

    Seine Kunst nennt er am ehesten Objektkunst: Alltagsgegenstände verlieren ihren Zweck, Tierpräparate werden zu Leoparden, Besteck zu Skulpturen, Herrgottsbilder zu bitteren Kommentaren über Religion und Macht. Sozialkritisch, politisch unkorrekt, oft schmerzhaft – etwa wenn er Frauenporträts mit Sicherheitsnadeln durch die Stirn versieht, um auf Altersarmut, Lohnungleichheit oder Kinderehen hinzuweisen.

    Rauchs Werke sind keine Dekoration. Sie sind Zumutungen. Ein geschweißtes Kreuz mit daran hängender Suppenkelle trägt den Titel „Mein Schöpfer.“ Donald Trump erscheint als Bühnenstück zwischen zerrissenen Fahnen, Hillary Clinton springt mit Freiheitsfackel hervor, während Martin Luther King übermalt wird. Aus einer Fischdose windet sich eine Schlange an einem zum Leoparden mutierten Reh empor – Titel: „Es ist nicht immer drin, was draufsteht.“ Eine Metapher auf Politik, Beziehungen und das Leben selbst.

    Besonders eindrücklich: sein Bild „Der ewige Kreislauf“. Wildschweinkopf, Menschenhand, Karotte. Pflanze frisst Tier, Tier frisst Mensch, Mensch stirbt. Ende? Vielleicht Reinkarnation als Karotte. Rauch glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod, wohl aber an Verantwortung im Jetzt: gegen Gewalt, gegen Populismus, gegen den europaweiten Rechtsruck.

    Neben der Kunst war Rauch auch Autor – zwei Kriminalromane liegen hinter ihm, ein dritter fertig in der Schublade. Keine Lust mehr, sagt er. Vielleicht auch, weil seine Kunst längst laut genug spricht.

    Er arbeitete für Erwin Wurm an „Fat Cars“, gestaltete mit dem Fotografen Alexander S. eine preisgekrönte Gondel am Flumserberg, ist aktuell in der Galerie Koukou Phi und im internationalen Ausstellungsformat heimspiel.tv in der Kunsthalle St. Gallen vertreten.

    Thomas Anton Rauch ist kein Wohlfühlkünstler. Er ist ein Störenfried mit Schweißgerät, ein Chronist der Brüche, ein ehemaliger Barkeeper, der die Nacht kennt – und das Leben. Er malt, schweißt, sammelt, montiert fast täglich, wie ein ganz normaler Arbeiter. Nur dass seine Produkte Fragen stellen, wo andere Antworten verkaufen.

    Ein Mann wie Rauch passt in keine Vitrine. Er gehört ins Atelier, in den Schweißrauch, ins pralle Leben – und genau dort entfaltet seine Kunst ihre ganze, unbequeme Schönheit.

    Show More Show Less
    27 mins
  • Die Spitalsseelsorgerin - Juliana Troy
    Dec 25 2025

    Wenn andere Weihnachten im Kreis ihrer Familien feiern, geht Dr. Juliana Troy durch Krankenhausflure. Leise, aufmerksam, präsent. Dort, wo Worte oft fehlen und das Leben an seinen Rändern tastet, ist sie da – als Spitalsseelsorgerin, als Hörende, als Mensch.

    Juliana Troy arbeitet im Landeskrankenhaus Rankweil und in Feldkirch. Sie begleitet Menschen in der Psychiatrie, der Neurologie und der Onkologie – in Momenten tiefer Verzweiflung ebenso wie in Augenblicken leiser Hoffnung. Dass sie ausgerechnet an Weihnachten Dienst macht, ist für sie keine Pflichtübung, sondern eine bewusste Entscheidung. „Gerade dann“, sagt sie, „brauchen viele Menschen jemanden, der da ist.“

    Geboren und aufgewachsen zwischen Innsbruck, Wien und dem Bregenzerwald, trägt Juliana Troy verschiedene Welten in sich. Mütterlicherseits hat sie indische Wurzeln, ein Jahr ihres Lebens verbrachte sie in Pune, wo sie katholische Theologie studierte – als eine von wenigen Frauen unter hunderten angehenden Priestern. Diese Erfahrung hat sie geprägt: das Leben in der Minderheit, die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, Religionen und Denkweisen.

    Ursprünglich wollte sie Medizin studieren. Heute wirkt sie an der Schnittstelle von Körper, Seele und Geist – vielleicht näher an den Menschen, als es ein klassischer Arztberuf je erlaubt hätte. Nach einem Theologie- und Philosophiestudium, einer Ausbildung in der Krankenhausseelsorge und einem abgeschlossenen Doktorat fand sie ihre Berufung dort, wo Menschen mit Krankheit, Sterben und existenziellen Fragen konfrontiert sind.

    Juliana Troy ist verheiratet, Mutter von drei Kindern – und sie weiß aus eigener Erfahrung, wie kostbar und zerbrechlich das Leben ist. Diese Bodenhaftung spürt man in Gesprächen mit ihr. Sie missioniert nicht. Sie hört zu. Ihre Seelsorge gilt allen Menschen, unabhängig von Religion oder Weltanschauung. „In erster Linie geht es um Begleitung“, sagt sie. „Nicht um Antworten.“

    Besonders eindrücklich sind ihre Erfahrungen mit Sterbenden. Sie erlebt, wie unterschiedlich Menschen Abschied nehmen: manche im Kreis ihrer Liebsten, andere still, wenn niemand mehr im Raum ist. Für sie ist klar: Auch das Sterben ist so individuell wie das Leben. Und es braucht Würde, Zeit und oft einfach jemanden, der aushält.

    Weihnachten versteht Juliana Troy nicht als idyllisches Fest, sondern als radikale Botschaft der Nähe: Gott wird Mensch – mitten im Unfertigen, im Leid, im Chaos. Diese Botschaft übersetzt sie in eine Sprache, die niemanden erschreckt, sondern trägt. Besonders in der Psychiatrie ist das eine sensible Gratwanderung. Hoffnung darf nicht zur Drohung werden.

    Wenn sie von Weihnachten spricht, dann nicht pathetisch. Sondern leise. Als Einladung, menschlich zu werden – immer wieder neu. Für die Patientinnen und Patienten. Für ihre Angehörigen. Und auch für sich selbst.

    Name: Dr. Juliana Troy
    Alter: 48
    Beruf: Spitalsseelsorgerin
    Arbeitsorte: LKH Rankweil und Feldkirch
    Ausbildung:

    • Studium der Theologie und Philosophie (Innsbruck)

    • Krankenhausseelsorge-Ausbildung

    • Doktorat

    • Studienjahr in Pune (Indien)

    Familiäres: Verheiratet, Mutter von drei Kindern
    Wurzeln: Österreichisch-indisch (mütterlicherseits)
    Besonderheit: 24/7-Seelsorgeeinsätze, auch an Feiertagen
    Leitgedanke: Begleiten statt belehren – Hoffnung ohne Angst

    Show More Show Less
    32 mins
  • Der gesellige Kunstmaler - Gerhard Montibeller
    Dec 21 2025

    Wenn man Gerhard Montibeller begegnet, den alle nur „Monti“ nennen, spürt man sofort: Hier spricht nicht nur ein Maler, hier spricht ein Mensch, der Kunst lebt – gesellig, neugierig, humorvoll und zutiefst verbunden mit den Menschen um ihn herum. Der bekannte Vorarlberger Kunstmaler ist nicht nur für seine Bilder, sondern vor allem für seine Fähigkeit bekannt, andere für Kunst zu begeistern. Seit einem Vierteljahrhundert prägt er mit dem Malgrund Satteins einen Ort, an dem Kreativität, Austausch und Gemeinschaft selbstverständlich zusammengehören.

    Montibellers Weg zur Malerei begann früh – fast zwangsläufig. Er wuchs in einer Malerfamilie auf, sein Vater Angelo arbeitete im Atelier im Feldkircher Kanalareal. Der Geruch von Terpentin, Ölfarben und Leinwand wurde für den jungen Gerhard zu einer Art Heimat. Schon als Kind war das Atelier Spielplatz und Schule zugleich. Farben, Papiere, Staffeleien – alles war da, alles durfte ausprobiert werden.

    Zunächst führte ihn sein beruflicher Weg allerdings zur Fotografie. Dort lernte er Bildaufbau, Komposition und das bewusste Sehen – Fähigkeiten, die später seine Malerei entscheidend prägen sollten. Intensiv zu malen begann er vergleichsweise spät, erst mit rund 50 Jahren. Doch was spät begann, entwickelte eine umso größere Kraft. Heute, mit fast 80 Jahren, blickt Montibeller auf ein beeindruckendes künstlerisches und kulturelles Lebenswerk zurück.

    Die Initialzündung für den Malgrund kam nicht im Atelier, sondern durch die Begegnung mit anderen Künstlerinnen und Künstlern. Gemeinsames Arbeiten, Diskutieren und Lernen – diese Erfahrung wollte Montibeller nach Vorarlberg holen. Zusammen mit Gleichgesinnten gründete er eine Malgruppe, aus der schließlich der Malgrund entstand.

    Nach mehreren provisorischen Ateliers fand der Verein 2005 seine dauerhafte Heimat im ehemaligen Konsumgebäude am Kirchplatz in Satteins. Dort entwickelte sich der Malgrund rasch zu einem kulturellen Fixpunkt: freies Malen, Kurse in unterschiedlichsten Techniken, Workshops, Ausstellungen und Gemeinschaftsprojekte. Unter dem Dach des Malgrunds entstand zudem die Frastanzer Kunstakademie, die heute ein umfangreiches Kursprogramm mit renommierten Dozentinnen und Dozenten anbietet.

    Was den Malgrund besonders macht, ist nicht nur das Programm, sondern die Atmosphäre. Jeden Montag treffen sich die Mitglieder zum gemeinsamen Essen und anschließendem freien Malen. Menschen aus ganz Vorarlberg – und weit darüber hinaus – kommen nach Satteins, um hier zu arbeiten, zu lernen und sich auszutauschen. Besucherinnen und Besucher reisen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Liechtenstein und sogar aus entfernteren Ländern an.

    Auch Kinder und Jugendliche finden im Malgrund ihren Platz: Aktionen wie das beliebte Sonnenmalen oder die Gauki-Wochen verbinden Kunst spielerisch mit Gemeinschaft und hinterlassen sichtbare Spuren – bunte Sonnen in Gärten weit über Satteins hinaus.

    Neben seiner organisatorischen Arbeit ist Montibeller vor allem eines: Maler. Seine Werke reichen von Aquarell über Acryl bis Öl. Besonders bekannt sind seine Bergbilder. Mit augenzwinkerndem Humor kommentiert er Fragen nach der „Besteigung“ seiner Motive: Man müsse einen Berg nicht erklimmen, um ihn malen zu können. Entscheidend sei der Blick, nicht die Höhe.

    Seine Ausstellungen – von „Monte Mountains“ über thematische Gemeinschaftsprojekte bis hin zu großformatigen Arbeiten – zeugen von Experimentierfreude und Lust am gemeinsamen Gestalten. Immer wieder gelingt es ihm, andere mitzunehmen, einzubinden und zu ermutigen, neue Wege zu gehen.

    2025 feiert der Malgrund Satteins sein 25-jähriges Bestehen. In diesen Jahren wurden tausende Menschen erreicht: durch Kurse, Workshops, Ausstellungen, Kunstaktionen im öffentlichen Raum und internationale Begegnungen. Fahnen mit Originalkunstwerken im Ortsbild, großformatige Gemeinschaftsbilder und immer neue Projekte zeigen, wie lebendig dieser Ort geblieben ist.

    Show More Show Less
    18 mins