„Selbstmodelle, Bewusstsein und die Zukunft künstlicher Subjektivität“ – Zoomposium mit Thomas Metzinger Teil 2
HIER GEHT ES ZUM TEIL 1: https://www.youtube.com/watch?v=bn9m2CRot-Y
00:00 Intro
01:19 Bewusstsein auf Maschinen und MPE
05:30 Leseempfehlung für ZOOMPOSIUM-Hörer
06:15 Rätsel der Lebendigkeit?
07:23 Hat Erleben mit Leben zu tun?
08:57 Synthetische Phänomänologie
12:12 Tagung des Europarates zu KI
14:45 Europa, KI und Lobbyismus
22:57 KI und Dystopien
28:29 KI und Demokratie
31:30 KI als "Reifeprüfung" für die Menschheit
38:30 Neuer Humanismus, Philosophie und Hyperpersonalisierung
42:50 Positive Szenarien mit KI
48:20 Neuentdeckung des Humanismus durch KI?
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Interviewfragen Teil 2:
5. Selbst, Modellierung und neuromorphe KI
In Ihren Arbeiten beschreiben Sie Bewusstsein als dynamischen, intern konstruierten Prozess. Das Gehirn vergleichen Sie mit einem Flugsimulator, der ein internes Modell der Welt erzeugt und fortlaufend aktualisiert (Der Ego-Tunnel, 2009).
• Welche Rolle spielt dieses Modell des phenomenal self in der Diskussion um künstliches Bewusstsein?
• Wie könnte ein künstliches System ein solches Selbstmodell entwickeln oder simulieren, und wie ließe sich empirisch prüfen, ob es funktioniert?
Heute wird intensiv an künstlichen neuronalen Netzwerken, neuromorphem Computing, Deep Learning und spiking neural networks geforscht, die sich an biologischen Vorbildern orientieren.
• Bedeutet diese „Biologisierung“ der KI-Forschung aus Ihrer Sicht einen möglichen Schritt in Richtung künstlichen Bewusstseins oder computational phenomenology?
• Erleben wir hier einen Paradigmenwechsel weg vom rein datengetriebenen Ansatz des Big Data hin zu funktional-biologischen Modellen?
• Halten Sie es für denkbar, dass ein künstliches System jemals eine Ich-Erfahrung entwickelt, die mit menschlicher Subjektivität vergleichbar ist – und würde dies die ethische Debatte grundlegend verändern?
6. Ausblick, Entzauberung und Bewusstseinskultur
In einem Interview sagten Sie, dass künstliches Bewusstsein vermutlich nicht in naher Zukunft entstehen wird, aber prinzipiell möglich ist, da phänomenale Eigenschaften kausal „von unten“ determiniert seien (hpd-Interview 2022).
• Was wäre aus Ihrer Sicht der größte erkenntnistheoretische oder ethische Fehler, den die Bewusstseins- oder KI-Forschung in den nächsten zehn Jahren machen könnte?
• Welche Formen internationaler Regulierung oder Zusammenarbeit halten Sie für notwendig, um synthetische Phänomenologie verantwortungsvoll zu erforschen?
Im Gespräch mit Philip Kovce sprachen Sie davon, dass wissenschaftliche Erkenntnisse oft „entzaubernd“ wirken und schmerzhafte Illusionen zerstören können.
• Können Sie dafür ein persönliches Beispiel nennen, und sehen Sie sich selbst als eine Art „Entzauberer“?
Sie plädieren zudem für die Entwicklung einer neuen Bewusstseinskultur, um verantwortungsvoll mit Bewusstsein umzugehen und Leid zu minimieren.
• Was verstehen Sie unter diesem Begriff – eine Form säkularer Spiritualität?
• Sehen Sie die enormen Möglichkeiten von KI eher als Chance oder als Hindernis für die Entwicklung einer solchen Bewusstseinskultur?