Männlichkeit ist, wie Männer sind
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In dieser Folge geht es um Männlichkeit – und um die Verwirrung, Sehnsucht und den inneren Druck, die viele Männer damit verbinden. Was bedeutet es heute, ein Mann zu sein, wenn alte Rollenbilder bröckeln, patriarchale Muster sichtbarer werden und gleichzeitig niemand so richtig zeigt, wie ein stimmiger Weg aussehen könnte?
Diese Folge richtet sich an Männer und Frauen. Wenn du als Mann zuhörst, findest du vielleicht Sprache für etwas, das du lange nur diffus gespürt hast. Wenn du als Frau zuhörst, bekommst du Hintergrund dafür, was im Inneren vieler Männer beim Erwachsenwerden und im Mannsein passiert – und warum sich manches Verhalten so widersprüchlich anfühlen kann. Wenn beides gelingt, kommen wir einander ein Stück näher.
Ich teile hier keine absolute Wahrheit und kein endgültiges „Statement“. Es ist meine Perspektive als Mann und Tantralehrer – geprägt durch viele Gespräche und Erfahrungen in Tantra-Gruppen. Ich öffne einen Raum jenseits von zwei Extremen: der Rückgriff auf konservative Konzepte von „echter Männlichkeit“ auf der einen Seite, und eine überangepasste, vorsichtige „Bravheit“ auf der anderen, die oft Lebendigkeit kostet.
Wir schauen auf eine typische frühe Dynamik: die ersten Jahre in einer weiblich geprägten Welt von Nähe und Fürsorge – und dann, mit der Pubertät, das subtile Herausfallen aus dieser Selbstverständlichkeit. Nähe wird komplizierter, Berührung bekommt Risiko, und ohne bewusste Übergänge entsteht leicht Verschlossenheit. Wo Initiation und echte Begleitung fehlen, wartet oft ein Männerkreis, in dem Konkurrenz, Leistung und „Zeig keine Schwäche“ den Ton angeben. Daraus können zwei Bewegungen entstehen: ein tiefes Heimweh nach Nähe – und Wut, die selten Raum bekommt.
In diesem Zusammenhang spreche ich über „toxische Männlichkeit“: als Hinweis auf destruktive Muster, die sich über einen ursprünglich lebendigen Kern legen können. Verantwortung bleibt wichtig – und gleichzeitig die Frage: Wie wird Veränderung möglich, ohne Männer in Scham festzuhalten?
Hier bringt Tantra eine klare Landkarte ins Spiel. In der śaiva Tradition begegnen wir Śiva und Śakti: Bewusstsein und Energie, Stille und Bewegung. Prinzipien, die in jedem Menschen lebendig sind. Begriffe wie svabhāva (eigene Natur) und svātantrya (innere Freiheit) führen zu einer einfachen, radikalen Idee: Männlichkeit ist kein Ideal am Horizont. Sie beginnt als Erfahrung von innen.
Am Ende gibt es eine kurze Meditation: ein paar Minuten, um zu spüren, wer du bist, wenn niemand zuschaut – mit deinem Körper, deinem Atem, deinem Leben. Vielleicht ist das der stillste Teil der Folge. Und vielleicht genau der Moment, in dem etwas in dir wieder einfacher wird.