Vom Familienbetrieb zu Aldi: Das Ende der Bäckerei Eckstein - mit Sebastian Eckstein cover art

Vom Familienbetrieb zu Aldi: Das Ende der Bäckerei Eckstein - mit Sebastian Eckstein

Vom Familienbetrieb zu Aldi: Das Ende der Bäckerei Eckstein - mit Sebastian Eckstein

Listen for free

View show details

About this listen

Manche Gespräche bleiben länger hängen. Dieses hier gehört definitiv dazu. Ich habe mit Sebastian Eckstein gesprochen – einem Bäckermeister, der in eine Bäckerei hineingeboren wurde, die sein Großvater gegründet hat. Die Bäckerei Eckstein in Ginsheim war über Jahrzehnte ein fester Bestandteil des Ortes. 2018 musste sie schließen. Nicht, weil die Nachfrage fehlte. Sondern weil am Ende die Kräfte nicht mehr gereicht haben.

Sebastian erzählt mir sehr offen, wie sich diese letzten Jahre angefühlt haben: Personalmangel, immer mehr Arbeit, immer weniger Pausen. Sechs Tage die Woche, oft 12 bis 14 Stunden am Tag. Urlaub? Fehlanzeige. Und gleichzeitig Kundinnen und Kunden, die vor der Theke stehen und sagen: „Schon wieder teurer geworden?“ – während man selbst versucht, irgendwie wirtschaftlich zu überleben und auch den eigenen Mitarbeitenden ein gutes Leben zu ermöglichen.

Mich hat besonders berührt, wie viel Herzblut noch immer in diesem Kapitel steckt. Sebastian ist in der Backstube aufgewachsen. Die Bäckerei war Familie, Alltag, Identität. Und obwohl sie seit Jahren geschlossen ist, ist da immer noch diese Wehmut. Dieses Gefühl: Da ist etwas zu Ende gegangen, das eigentlich nie ganz verschwunden ist.

Wir sprechen darüber, wie es danach für ihn weiterging: Stationen in Cafés, der Bäckermeister, der eigentlich mit dem Ziel gemacht wurde, sich irgendwann wieder selbstständig zu machen. Und dann – ein Bruch: Heute arbeitet Sebastian im Einzelhandel bei Aldi, macht dort ein Traineeprogramm zur Führungskraft.

Ein Perspektivwechsel, der spannend ist. Denn plötzlich steht da ein Handwerksbäcker vor TK-Backwaren. Ich wollte wissen: Wie fühlt sich das an? Seine Antwort ist ehrlich – und vielleicht überraschend. Das Handwerkerherz blutet ein bisschen. Aber: Einige Produkte sind geschmacklich „erschreckend gut“, wie er sagt. Ein Satz, der viel über die heutige Realität im Lebensmittelbereich erzählt.

Wir sprechen auch über das, was verloren geht, wenn kleine Betriebe schließen: Vielfalt, regionale Spezialitäten, individuelle Handschrift. Und darüber, ob es Wege zurück geben könnte – vielleicht kleiner, vielleicht reduzierter. Eine Wochenend-Konditorei? Ein Nebenerwerb? Die Idee steht im Raum. Und man merkt: Ganz losgelassen hat ihn das alles nicht. Wie auch – das Rezeptbuch seines Großvaters liegt noch immer bei ihm.

Am Ende bleibt für mich ein Gespräch über mehr als nur Brot und Brötchen. Es geht um Arbeit und Erschöpfung. Um Leidenschaft und Realität. Um die Frage, wie viel ein gutes Lebensmittel eigentlich kosten darf – und was wir bereit sind, dafür zu geben.

Und vielleicht auch darum, dass manche Geschichten nicht wirklich enden. Sie verändern nur ihre Form.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Hören.


DRUCKREIF – Das Redaktionsgespräch

mit Axel Schiel | Axel S.

» Überall, wo es Podcasts gibt!


Spotify: creators.spotify.com/pod/profile/druckreif

YouTube: YouTube.com/@druckreif

Instagram: instagram.com/druckreif_podcast


Impressum:

Das Redaktionsgespräch für Neues aus der Mainspitze am 07.05.2026

Technik: Timo Dorn | Marketing: katrin@neuesausdermainspitze.de

Produktion: showpaket.com | druckreif@showpaket.com

No reviews yet
In the spirit of reconciliation, Audible acknowledges the Traditional Custodians of country throughout Australia and their connections to land, sea and community. We pay our respect to their elders past and present and extend that respect to all Aboriginal and Torres Strait Islander peoples today.